Donnerstag, 11. Oktober 2012

Hufeisensiedlung und Tautes Heim: Neue Fernsehbeiträge

Katrin Lesser und Ben Buschfeld
In der Hufeisensiedlung haben der Mediendesigner Ben Buschfeld und die Landschaftsarchitekten Katrin Lesser ein Reihenhaus von Bruno Taut denkmalgerecht saniert und möbliert, seit ein paar Monaten können Architekturenthusiasten das Taute Heim mieten und dort übernachten. Der Sender n-tv hat einen sehr hübschen 5-Minuten-Film darüber produziert, in dem auch seltene Filmaufnahmen der Hufeisensiedlung aus der Bauzeit zu sehen sind. Der Film wird am Samstag, dem 13. Oktober 2012, noch einmal um 8.35 Uhr ausgestrahlt und kann auch online bewundert werden. Ein weiterer Fernsehbeitrag ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Am 25. November 2012 kann das "Taute Heim" besichtigt werden, im Anschluss an die Vorstellung der Neuauflage des Buches "Die Zwanziger Jahre in" Berlin
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Fotos: Ben Buschfeld / Tautes Heim

Montag, 1. Oktober 2012

Die Manns in Berlin

Kurfürstendamm in den Zwanziger Jahren. Hier haben
Klaus Mann und sein Onkel Heinrich Mann gewohnt.
Foto: ZLB/Berlin-Studien/Postkartensammlung

„Ich war im siebenten Himmel. In Berlin zu sein bedeutete an sich schon ein erregendes Abenteuer! … Die Stadt erschien zugleich erbarmungs-würdig und verführerisch: grau, schäbig, verkommen, aber doch vibrierend von nervöser Vitalität, gleißend glitzernd, hektisch animiert, voll Spannung und Versprechen…Berlin war meine Stadt! Ich wollte bleiben. Aber wie?“, schrieb Klaus Mann über das Berlin der Zwanziger Jahre. Jetzt formiert sich in der Stadt eine Klaus Mann Initiative, die am 18. September mit einem Vortrag von Frank Träger über Klaus Manns Berlin erstmals an die Öffentlichkeit trat. Weitere Veranstaltungen sind geplant. Dem Vater Thomas Mann widmet sich der Berliner Kreis der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, der am 23. Oktober 2012 in der Buchhandlung Der Zauberberg in Berlin-Friedenau offiziell gegründet wird. 
Die Schriftstellerbrüder Thomas und Heinrich Mann gehörten bis 1933 der Sektion für Dichtkunst in der Preußischen Akademie der Künste in Berlin an. Bereits 1891 kam Heinrich Mann als Buchhandelslehrling (beim Verlag von Samuel Fischer) nach Berlin und führte ein ausschweifendes Bohemeleben "unter denen, die das Pflaster des alten Westens beherrschten." 

Kontakt zur Klaus Mann Initiative: 

Frank Träger
turning.point@t-online.de

Donnerstag, 27. September 2012

"Lieber auf Luftlinien balancieren als auf Dogmen sitzen" - Lou Scheper-Berenkamp

Einen umfangreichen Einblick in das facettenreiche Gesamtwerk der Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp (1901-1976) vermittelt das Bauhaus-Archiv Berlin vom 31. Oktober 2012 bis zum 14. Januar 2013 in der Sonderausstellung „Phantastiken. Die Bauhäuslerin Lou Scheper-Berkenkamp“. Das Oeuvre der Schülerin von Johannes Itten, Lyonel Feininger und Paul Klee war bisher noch nie in einer Einzelausstellung zu sehen. Lou Scheper-Berkenkamps Werk lässt sich nicht auf eine einzige Kunstgattung reduzieren. Es umfasst neben Malerei und Zeichnung auch Kinderbücher, literarische Texte, Entwürfe für Oskar Schlemmers Bauhaus-Bühne und die Farbgestaltung von Innenräumen wie zum Beispiel in der Berliner Philharmonie von Hans Scharoun. Ihre freien künstlerischen Arbeiten bewegen sich zwischen Phantasie und Wirklichkeit, Ironie und Melancholie. Der intelligente Wortwitz Lou Scheper-Berkenkamps zeigt sich besonders in ihren bunten „Bilderbriefen“, die als ideensprühende Miniaturen aus Text und Bild ihre Freunde faszinierten und in der Ausstellung einen Eindruck von der Persönlichkeit der Künstlerin geben. Die Ausstellung setzt die Reihe "bauhaus weiblich" fort, in der bereits die Textilgestalterin Benita Koch-Otte vorgestellt wurde. (Quelle: Bauhaus-Archiv)

Montag, 24. September 2012

Rosa-Luxemburg-Steg

Es gibt einige Orte in Berlin, die an die Politikerin und KPD-Mitbegründerin Rosa Luxemburg erinnern, wie den Rosa-Luxemburg-Platz mit den vom Künstler Hans Haacke im Straßenpflaster verstreuten Zitaten oder die Gedenktafel vor ihrem Wohnhaus in Friedenau, Cranachstraße 58. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will zudem morgen die Liechtensteinbrücke "symbolisch" in Rosa-Luxemburg-Steg umbenennen, hier die Einladung:

In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1919 wurde die Leiche
von Rosa Luxemburg aus dem Berliner Landwehrkanal geborgen. Im
Januar 1919 war nach ihrer und Karl Liebknechts Verhaftung,
Folterung und Ermordung ihr lebloser Körper von der
Fußgängerbrücke zwischen Zoo und Tiergarten (Lichtensteinbrücke)
in den Landwehrkanal geworfen worden. Die Brücke ist seit diesem
Tag unmittelbar verbunden mit dem Namen von Rosa Luxemburg.
Am Dienstag, den 25. September 2012, wird
Stadtentwicklungssenator Michael Müller um 11.30 Uhr die Brücke
symbolisch in Rosa-Luxemburg-Steg umbenennen.
Dazu laden wir Sie herzlich ein.
Treffpunkt: Nördliche Seite der Brücke / Zugang von der Lichtensteinallee 

Donnerstag, 13. September 2012

Neuer Webauftritt des Einsteinturms

Der Einsteinturm ist das erste bedeutende Bauwerk des Architekten Erich Mendelsohn, in den Jahren 1919 bis 1924 entworfen und fertiggestellt, eine Ikone der modernen Architektur und der Zwanziger Jahre. Das Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam nutzt ihn noch heute als Sonnenobservatorium, er kann (nur in den Wintermonaten!) besichtigt werden. Alle wichtigen Infos zum Einsteinturm und ein Film mit Innenaufnahmen finden sich jetzt neu geordnet unter dieser Webadresse.

Freitag, 7. September 2012

Glanzzeit der Friedrichstraße

Es gibt kaum noch ein Nachtleben auf der Friedrichstraße. In der Kaiserzeit und den Zwanziger Jahren war das anders, da strömten die Touristen und Einheimische aus der ganzen Stadt in die Amüsierlokale und Theater rund um den Bahnhof Friedrichstraße - nur der Admiralspalast erinnert noch daran. Weibliche und männliche Prostituierte bevölkerten die Straße und später in der Nacht verwandelte sich die Gegend mit "hin und her schaukelnden Droschken und Automobilen in ein einziges saftiges Beilager", so zitiert Harald Neckelmann den Dramatiker Carl Sternheim. Neckelmanns neues Buch ist ein Spaziergang in (ausführlich kommentierten) Fotografien durch die Friedrichstraße, wie sie vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aussah, einmal die 3,3 Kilometer rauf und wieder runter zwischen Halleschem und Oranienburger Tor. Hervorgehoben sind verschwundene Topadressen wie die Kaiserpassage, das Varieté Wintergarten, die Friedrichstraßenpassage (ein Rest davon erlangte als Tacheles neuerlich Berühmtheit). Weniger bekannt ist die Bedeutung der südlichen Friedrichstraße als Filmzentrum der Stummfilmzeit - 575 Filmproduktionsfirmen hat Neckelmann dort gezählt. Die Vorgeschichte der Straße im 18. und 19. Jahrhundert sowie die Nachkriegszeit bleiben ausgespart, dafür prunkt das Buch mit zahlreichen bisher unbekannten Fotos aus der Glanzzeit der Friedrichstraße. (Harald Neckelmann, Friedrichstraße Berlin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin Story Verlag, 144 Seiten, 260 Abb., 19,80 EUR)

Mittwoch, 29. August 2012

Die Zwanziger Jahre auf Android

Ab sofort sind unsere für iPhone und iPad entwickelten Guides auch auf Android-Geräten lauffähig. Dazu muss lediglich die kostenlose Guidewriters-App bei Google Play heruntergeladen werden. Im Store finden sie die Gratis-App Die Zwanziger Jahre um Berlin zum Kennenlernen und (für 2,99 Euro) die App Die Zwanziger Jahre um Berlin. Viel Spaß beim Navigieren in die Roaring Twenties!

Montag, 27. August 2012

Großlabor des Wohnungsbaus


Manche Berliner Siedlungen der Weimarer Republik sind seit 2008 Weltkulturerbe, andere nicht – aber trotzdem sehenswert. Ein Streifzug von Michael Bienert, erschienen am 25. August 2012 im Feuilleton der Stuttgarter Zeitung:

Wohnhauseingang in der Gartenstadt Atlantic,
Heidebrinker Straße 8. Foto: Bienert

Hat man dieses Wohnhaus bei der Sanierung vergessen? Im Vorbeigehen wirkt es so. Das Haus Heidebrinker Straße 15 in der sanierten Gartenstadt Atlantic trägt noch den Originalputz aus den legendären Zwanziger Jahren. Er ist nachgedunkelt, aber wenn die Sonne darauf scheint, dann beginnen feine Körnchen darin plötzlich zu schillern und zu blinkern. Die Fassade lebt! Dann bemerkt man weitere feine Details, die an den Nachbarhäusern verloren gegangen sind: die Kasten-Doppelfenster und ihre expressionistischen Einfassungen lassen die ungedämmte Außenwand viel plastischer wirken. Die Rollläden sind aus Holz, nicht aus Kunststoff. Es fehlt die dicke Wärmedämmschicht unter dem Putz.

Wenigstens ein Haus der Gartenstadt Atlantic am S-Bahnhof Gesundbrunnen schaut noch genauso aus, wie der deutsch-jüdische Architekt Rudolf Fränkel es entworfen hatte – dank einer Finanzspritze von 200.000 Euro von der  Deutschen Stiftung Denkmalschutz. An den übrigen rund 50 Häusern der Siedlung hat der private Eigentümer das Erscheinungsbild nur vergröbert wiederherstellen lassen, sonst wären die Mieten explodiert. Wichtiger war ihm, die bunte Bevölkerungsmischung in dem zu Mauerzeiten stark herunter gekommenen Kiez zu erhalten. Man sieht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Die Gartenstadt Atlantic ist eines von vielen Wohnquartieren der Weimarer Republik, deren architektonische und städtebauliche Qualität nach Jahrzehnten der Vernachlässigung in jüngster Zeit wieder erlebbar geworden ist. Das Berlin der Roaring Twenties war ein Großlabor des Wohnungsbaus.

Mittwoch, 22. August 2012

Der Kreuzberger Stadtarzt Curt Bejach und sein Haus von Erich Mendelsohn


Im Jahr 1925 gründete der jüdische Stadtarzt Curt Bejach das Gesundheitshaus Am Urban, das erste kommunale Zentrum für präventive Medizin und Gesundheitserziehung in Berlin mit  Schulgesundheitspflege, Sexualberatungsstelle und einer Lehrstätte für hygienische Volksbelehrung. Jüdische Ärzte wie Fritz Fränkel und Ernst Joël waren hier tätig. Als das Gesundheitshaus 1933 geschlossen wurde, gingen einige ins Exil. Curt Bejach wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Zu seinem Gedenken wurde das Dienstgebäude des Gesundheitsamtes Friedrichshain-Kreuzberg im Frühjahr 2011 in Dr. Curt Bejach Haus umbenannt. Ist das Konzept Bejachs noch heute aktuell? Darüber diskutieren Dr. Dietlinde Peters und Stefan Antczack bei einer Veranstaltung:

Jüdische Ärzte im Gesundheitshaus am Urban
am Donnerstag, den 23. August 2012 um 19:00 Uhr
im Dachgeschoss des Kreuzberg Museums
Moderation: Martin Düspohl 

Der Eintritt ist frei.

Landhaus Dr. Bejach
Quelle: www.erich-mendelsohn-stiftung.de
In Steinstücken (Bernhard-Beyer-Straße 12) steht das 1927/28 erbaute Landhaus, das sich Curt Bejach von dem Architekten Erich Mendelsohn entwerfen ließ. Der Berliner Architekt Helge Pitz hat es bereits denkmalgerecht saniert und dort die Erich-Mendelsohn-Stiftung gegründet, die die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Baumeister und der Architektur der klassischen Moderne fördert. Zum Tag des offenen Denkmals finden dort am 8. September 2012 Führungen um 11, 13 und 15 Uhr statt (mit Anmeldung unter info@erich-mendelsohn-stiftung.de).

Ein Porträt von Curt Bejach ist in der Jüdischen Zeitung erschienen.

Montag, 6. August 2012

Reiseführer zum Bauhaus

Das Berliner Bauhaus-Archiv, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimarer firmieren als Herausgeber eines Reiseführers zu den Bauhaus-Stätten. Michael Bienert hat ihn für das literaturblatt ausführlich besprochen.
„Jedem das Seine“ – die perfide Inschrift am Schlüpftor des Konzentrationslagers Buchenwald lässt nicht gleich an die Kunstschule denken, die Walter Gropius 1919 im nahen Weimar gründete. Doch die sorgfältig proportionierten, weich abgerundeten Metallbuchstaben am Gittertor lassen durchaus den Einfluss der Bauhaus-Typografie erahnen – wenn man darum weiß. Gestaltet hat sie der Häftling Franz Ehrlich, ein Bauhausschüler mit kommunistischen Überzeugungen, der deswegen von 1937 bis 1939 in Buchenwald inhaftiert war. Auch einen Generalbebauungsplan für das Lager musste Ehrlich entwerfen. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg als Todeskandidat in einem deutschen Strafbataillon, später in der DDR war er ein gefragter und nicht immer bequemer Stadtplaner, Architekt und Designer.
1952 baute Ehrlich für den DDR-Rundfunk ein großes Sendehaus in Berlin, einen markanten Backsteinbau mit klaren Linien. Er kam fast ohne Reminiszenzen an den Zuckerbäckerstil aus, den die SED zeitgleich den Baumeistern der Stalinallee abforderte. Richard Paulick, ein ehemaliger Mitarbeiter des Bauhausgründers Walter Gropius, gehörte zu den wendigen Architekten, die klassizistisch dekorierten Wohnpaläste für Arbeiter entwarfen. In den Sechzigern baute Paulick dann wieder brutal funktional – als Chefplaner der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt für 100.000 Menschen.
Eine Reise zu den Bauhaus-Orten in Deutschland führt durch überraschende Kurven der Bau- und Kunstgeschichte. Oft sehen die Haltepunkte ganz und gar nicht nach „Bauhausarchitektur“ im landläufigem Sinne aus. Die Autobahnkirche Gelmeroda gehört dazu. Die ehemalige Dorfkirche inspirierte den Bauhauslehrer Lyonel Feininger allein zu 13 Gemälden. Heute findet man sie weltweit in Museen – und kann auf einem 28 Kilometer langen Feininger-Radweg die Lieblingsmotive des passionierten Radfahrers in Thüringen abklappern.