Montag, 19. August 2013

Spenden für Siegfried Kracauer

Siegfried Kracauer
Quelle: Wikimedia
So läuft das in Berlin: Der Senat ruft ein Themenjahr zum Gedenken an die nationalsozialistische Machtübernahme vor 80 Jahren aus und lässt für viel Geld mobile Litfaßsäulen herstellen, die an die verfolgten und vertriebenen Mitbürger erinnern, darunter auch an den glänzenden Essayisten und Kritiker Siegfried Kracauer. Eine Bürgerinitiative bemüht sich darum, die Kracauer-Säule am Kracauerplatz in Charlottenburg, nahe der letzten Wohnadresse des Autors (Sybelstraße 35), aufzustellen.  Aber das Bezirksamt Charlottenburg besteht darauf, dass dafür erst einmal eine Verwaltungsgebühr zu entrichten sei. Die "Erteilung der Ausnahmegenehmigung einmalig nach der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr (GebOst)" kostet 102 Euro, ein Erlass sei nicht möglich, "um keinen Präzedenzfall zu schaffen", so die Behörde. Was tun die Kracauer-Freunde? Sie sammeln, innerhalb eines Tages kamen aus Kleinspenden schon zwei Drittel der benötigten Summe zusammen. Für den Transport und die Instandhaltung der Säule müssen sie selbstverständlich ebenfalls aufkommen. Soviel zum Thema: Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements durch die Berliner Verwaltung!

Foto der Säule
Spenden nimmt Joachim Neu entgegen!

Montag, 12. August 2013

Kant-Garagen vor dem Abriss?

Blick in die Berliner Kant-Garagen im Jahr 1930.
Quelle: Bundesarchiv Nr. 102-10459 /Wikimedia
Die 1929/30 erbauten Kant-Garagen stehen unter Denkmalschutz, doch der Eigentümer hat bereits einen Abrissantrag gestellt. Das erste und einzige erhaltene Bauwerk dieser Art aus dem Berlin der Weimarer Republik droht zu verschwinden. Lesen Sie dazu den jüngsten Bericht aus der Berliner Zeitung vom 11. März 2014.

Weitere Links zum Thema:
http://www.nytimes.com/2013/08/20/world/europe/uncertainty-surrounds-a-palace-of-parking-in-berlin.html?_r=0
http://www.taz.de/Denkmal/!121703/
http://www.taz.de/Baudenkmal/!121705/
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/kant-garagen-auf-verschleiss-gefahren,10809150,23950430.html

Mittwoch, 7. August 2013

Yva im Hotel Bogota

Von 1934 bis 1938 arbeitete die Fotografin Yva in der Schlüterstraße 45, dem heutigen Hotel Bogota. Ihr berühmtester Schüler war Helmut Newton. Angesichts der drohenden Schließung des Hotels findet dort eine Reihe von Kulturveranstaltungen statt; am 10. August um 19 Uhr hält die Frauenforscherin Sabine Krusen einen Vortrag über Yva und die jungen Fotografinnen ihrer Zeit.


Weitere Infos unter www.bogota.de

Dienstag, 16. Juli 2013

The Bob Cut

In SisterMAG No. 8 you can read an english translation of the chapter "Der Bubikopf" from our book Die Zwanziger Jahre in Berlin (choose page 54ff. in SisterMAG) Read more

Donnerstag, 27. Juni 2013

"Cabaret" ist wieder da!

Nach zwei Jahren Spielpause ist während des Theaterferien-Sommerlochs im Tipi am Kanzleramt wieder das Berlin-Musical Cabaret zu sehen. Die höchst erfolgreiche Inszenierung ist inzwischen neun Jahre alt, wir fanden sie schon bei der Premiere ein wenig angestaubt, aber durchaus sehenswert. Die Besetzung wurde inzwischen mehrfach ausgetauscht. Hier Michael Bienerts Premierenkritik aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 25. Oktober 2004, erschienen unter dem Titel "Ein sauberes Cabaret":

Manche Theateraufführungen beziehen ihren unwiderstehlichen Reiz aus dem Ort, an dem sie stattfinden. Darauf spekulierten die Betreiber der Berliner "Bar jeder Vernunft", als sie das finanzielle Wagnis eingingen, ein aufwändiges Musical auf den Spielplan ihrer intimen Kleinkunstbühne zu setzen. "Cabaret" im Varieté: Diese Rechnung scheint aufzugehen. Schon vor der Premiere lagen tausende Kartenvorbestellungen vor, hatten die Wiener Festwochen die Produktion für das Jahr 2006 eingeladen. Die bloße Vorstellung, das Zwanziger-Jahre-Musical an kleinen Tischen im intimen Jugendstilambiente des Spiegelzelts serviert zu bekommen, wirkte bereits enthusiasmierend.

Dienstag, 25. Juni 2013

Neue Publikation über den Jüdischen Friedhof in Weissensee

Die Grabstätte Mendel von Walter Gropius
“Du siehst noch drei, vier fremde Städte, / du siehst noch eine nackte Grete, / noch zwanzig–, dreißigmal den Schnee – / Und dann: / Feld P – in Weissensee – / in Weisssensee.” So endet ein 1925 in der “Weltbühne” gedrucktes Gedicht von Kurt Tucholsky, doch sein Grab sucht man auf dem jüdischen Friedhof in Weissensee vergebens. Im Gräberfeld T2, nahe der Friedhofsmauer, kann man eine Grabstelle für seinen Vater Alex und seine Mutter Doris Tucholsky (Feld T2) entdecken. Sie jedoch wurde hier auch nicht begraben, sondern kam 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Der Sohn Kurt Tucholsky starb wie viele jüdische Berliner, die das Kulturleben der Stadt in den Zwanziger Jahren prägten, im Exil. 1935 wurde er im schwedischen Mariefred nahe Schloss Gripsholm begraben.

Der jüdische Friedhof in Weissensee mit über 115.000 Grabstätten ist flächenmäßig der größte in Europa. In den Zwanziger Jahren waren mit der Verwaltung und Pflege des Geländes rund 250 Personen beschäftigt. Pompöse Mausoleen, historistische Tempelchen und die Trauerhalle aus der Kaiserzeit bestimmen das architektonische Erscheinungsbild der Friedhofsanlage, dazwischen finden sich Grabstellen, die deutlich vom Zeitgeschmack der Zwanziger Jahre beeinflusst sind. 1927 wurde das Ehrenmal für 12.000 im Ersten Weltkrieg gefallene jüdische Soldaten eingeweiht. Aus den Werkstätten des Weimarer Bauhauses stammt das von Walter Gropius entworfenen Grabmal für den 1922 verstorbenen Kaufmann Albert Mendel: Ein prismenförmiger steinerner Sarkophag, der mit dem Rahmen und Dach der Rückwand eine spannungsvolle Raumkomposition bildet.

Das Landesdenkmalamt Berlin und das Institut für Architektur, Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin haben dieser Tage eine neue Publikation über den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee vorgelegt. Anlass ist die Dokumentation von über 100.000 Grabstellen durch das Institut für Architektur, Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin. Die Publikation über den aktuellen Forschungsstand kann kostenfrei heruntergeladen werden. Zum Download

Textauszug aus: Michael Bienert/Elke Linda Buchholz, Die Zwanziger Jahre in Berlin, 5. Auflage 2013. 

Freitag, 14. Juni 2013

Triennale der Moderne

2019 jährt sich der 100. Geburtstag des Bauhauses. Auf dieses Ereignis hin ist die Triennale der Moderne in den Bauhausstädten Weimar, Dessau und Berlin hin konzipiert, die in diesem Jahr erstmals stattfindet - mit zahlreichen Veranstaltungen zur modernen Architektur der Weimarer Republik in allen drei Städten. Das umfangreiche Programm wurde heute offiziell vorgestellt, wir beteiligen uns am 28. September 2013 mit einem Spaziergang durch die Reichsforschungssiedlung Haselhorst (Foto).

Montag, 27. Mai 2013

Valeska Gert im FHXB Museum

Valeska Gert kam am 11. Januar 1892 in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg zur Welt. Als Grotesktänzerin und Schauspielerin erlangt sie 1917 Weltruhm. Kurt Tucholsky nannte sie eine „dolle Nummer“ und Bertolt Brecht „Erfinderin der sozialkritischen Tanzsatire“. 1933 mit Berufsverbot belegt, weil sie jüdischer Herkunft war, emigrierte Valeska Gert nach Großbritannien, Frankreich und schließlich in die USA, 1950 kam sie zurück nach Berlin. 
Der Berliner Kabarettist/Damendarsteller H.D. Kühn und die Performancekünstlerin Christa Biedermann ehren Valeska Gert mit Grotesk-Tanzeinlagen, Berichten und Filmsequenzen von Volker Schlöndorff. Termin: 30. Mai 2013 im Dachgeschoss des Friedrichshain-Kreuzberg Museums.

Freitag, 17. Mai 2013

Hufeisensiedlung unterm Hakenkreuz

Heute abend um 19 Uhr wird im Museum Neukölln die Ausstellung Das Ende der Idylle eröffnet. Am Beipiel der Hufeisen- und Krugpfuhlsiedlung zeigt sie, welche Konsequenzen die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 für das Leben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner hatte. Die Hufeisensiedlung, ab 1925 nach Plänen von Bruno Taut erbaut, galt als ein herausragendes Reformmodell sozialen Wohnens in der Weimarer Republik und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Als traditionell gewerkschaftlich und sozialdemokratisch geprägtes linkes Milieu war die Großsiedlung Britz den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Bereits im Februar 1933 wurde der dort wohnhafte Anarchist und Dichter Erich Mühsam verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Nur wenige wissen, das im folgenden Jahr Adolf Eichmann, der spätere Hauptorganisator der Judenvernichtung in Europa, in die Krugpfuhlsiedlung zog und dort bis 1938 wohnte. Mehr zur Ausstellung

Mittwoch, 17. April 2013

Looking for Isherwood´s Berlin

Rachel B. Doyle schreibt in der New York Times über die Berliner Adressen des britisch-amerikanischen Schriftstellers. Links die Gedenktafel an seiner Wohnadresse in Schöneberg, Nollendorfstraße 17.