Von Michael Bienert - Erich Kästners Großstadtroman Fabian ist gebaut wie eine Nummernrevue. Die Hauptfigur irrt von Kapitel zu Kapitel durch Kneipen, Vergnügungssäle, Bars, Büros, landet auf dem Kreuzberg, in einer Zeitungsredaktion, einem Rummelplatz und in den Betten lüsterner Berlinerinnen. Dabei begegnet er frustrierten Redakteuren, abgebrühten Ehemännern, Pennern und der großen Liebe. So plötzlich sie gekommen ist, so schnell ist sie wieder weg. Der beste Freund schießt sich wegen eines dummen Scherzes eine Kugel durch den Kopf und auch den Job verliert Jakob Fabian: Entmutigt verlässt er Berlin und stirbt in seiner Heimatstadt Dresden, als er versucht, ein Kind vor dem Ertrinken in der Elbe zu retten.
Erich Kästner wollte das Lebensgefühl Berlins und seiner jungen Generation in der Weltwirtschaftskrise einfangen, als er den Roman 1931 schrieb. Es passiert ständig was, es wird intensiv gelebt und geliebt, aber das Leben dreht sich im Kreis, die Wirtschaft trudelt bergab und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird immer brüchiger. Jakob Fabian ist ein begabter junger Mann, doch ihm fehlt ein Ziel, und so vertreibt er sich die Zeit mit Feldstudien in der Großstadt. Die Erfahrungen im Berlin der Dreißigerjahre, die Kästner in seinen Roman eingearbeitet hat, sind nicht weit weg von denen junger Leute im heutigen Berlin. Im Studio der Schaubühne hat Peter Kleinert den Stoff mit sieben jungen Schauspielstudenten der Hochschule "Ernst Busch" fürs Theater inszeniert. Spielend gelingt es ihnen, die Aktualität des Buches zu entschlüsseln, indem sie ihre eigenen Erfahrungen in den Betten, Clubs, Jobs und Hochschulen in die Inszenierung einbringen, sei es in den zahlreichen Rollen und Szenen, sei es im Dialog mit den Zuschauern.
Flott und kurzweilig ist dieser zweistündige Großstadtbilderbogen mit Gesangseinlagen. Für Tempo sorgt auch die Bühne von Peter Schubert, eine drehbare graue Wand, die von den Schauspielern angeschoben wie eine Drehbühne funktioniert und blitzschnelle Ortswechsel ermöglicht. Die vielen Rollen geben den Schauspielern reichlich Gelegenheit zu zeigen, was sie nach drei Jahren harter Ausbildung drauf haben: absolut professionelles Handwerk, beseelt von der Lust daran, durch die Inszenierung hindurch etwas vom eigenen Lebensgefühl zu erzählen. Jakob Fabian (Timocin Ziegler) ist ein netter Junge, der sich mehr aus Neugier von Frauen verführen lässt und dem der Biss fehlt, selber mehr aus seinem Leben zu machen. Sein Freund Labude (Tim Riedel) als studentischer als studentischer Weltverbesserer findet sich im wirklichen Leben einfach nicht zurecht, anders als die resolut auf Männerfang gehende Irene Moll (Janine Meißner). Llewellyn Reichman als Cornelia Battenberg ist eine prima Besetzung als Traumfrau von nebenan, die den Verlockungen einer großen Filmkarriere nicht widerstehen kann, obwohl sie sich dafür prostituieren muss. Stella Hinrichs stöckelt als durchgeknallte Theaterkritikerin durch den Abend, Gregor Schulz und Floran Donath sind in herrlich schrägen Kleinrollen als Journalisten, Direktor oder Erfinder dabei. Was sie auf der kleinen Werkstattbühne zeigen, würde jedem Stadttheater zur Ehre gereichen - so dass man sich um den weiteren Berufsweg der jungen Leute, die sich derzeit noch mit 80 Euro Gage pro Abend zufrieden geben müssen, eher keine Sorgen machen muss. Fabians Untergang zuzusehen, ist ein großes Vergnügen.
Samstag, 31. Januar 2015
Freitag, 30. Januar 2015
„projekt bauhaus“ startet in Berlin
In Berlin hat sich heute die internationale Initiative „projekt
bauhaus“ begründet, der Gestalter, Kuratoren und Forscher aus
Europa, Amerika und Asien angehören. Ziel der offenen Plattform
ist es, eine lebendige Debatte zur Aktualität des Bauhauses zu
führen. In einem auf fünf Jahre angelegten Arbeitsprozess bis
zum 100 jährigen Bauhausjubiläum 2019 soll eine kritische
Inventur der Bauhausideen vorgenommen und der utopische
Überschuss dieser Schule für die Gegenwart fruchtbar gemacht
werden. In den Jahren bis zum Jubiläum stellt „projekt bauhaus“
jedes Jahr eine Frage zur Gestaltung und lädt die Felder Kunst,
Design und Architektur zu einer experimentellen Suche nach
Erneuerung ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee des
Bauhauses, die Grenzen der Disziplinen und die Fragmentierung
der Moderne zu überwinden und mit Gestaltung Gesellschaft und
Alltag zu verändern.
Samstag, 10. Januar 2015
Pünktchen und Anton - die Theateradaption von Kästners Kinderroman im Grips-Theater
Von Michael Bienert - "Das beste wird sein, Sie schreiben über Sachen, die Sie kennen. Also von Untergrundbahn und Hotels und solchem Zeug. Und von Kindern, wie sie Ihnen täglich an der Nase vorbeilaufen, und wie wir früher einmal selber einmal waren." Das rät in Emil und die Detektive der Oberkellner Nietenführ dem Autor, der ein Kinderbuch schreiben soll. Volker Ludwig, Gründer des Grips-Theaters, zitiert den Ober auf dem Programmzettel seiner Theateradaption von Pünktchen und Anton und fügt augenzwinkernd hinzu, dies seien "die einzigen und wahren theoretischen Grundlagen des Grips-Theaters".
2011 hatte Volker Ludwigs Stück Pünktchen trifft Anton Premiere und es hat in der Zwischenzeit noch an Aktualität gewonnen: Denn in der Grips-Fassung sind Anton und seine Mutter nicht nur arme Leute wie in Kästners Roman von 1931, sondern Flüchtlinge ohne Aufenthaltserlaubnis, also genau die Leute, die Pegida-Anhänger und Rechtsextreme nun wieder zum Sündenbock machen für alles, was ihnen in diesem Land nicht passt. Anton (Kilian Ponert) ist ein hoch begabter Schüler, dem buchstäblich das Lachen vergangen ist unter dem Druck der Angst, mit seiner Mutter abgeschoben zu werden. Freudlos wühlt er in Mülltonnen, um etwas zum Essen und Pfandflaschen zu finden. Dass er durch Pünktchen (Maria Perlick), das verwöhnte Mädchen aus einer Grunewaldvilla, wieder das Lachen lernt, gehört zu den anrührenden Momenten der Inszenierung von Frank Panhans.
Autor und Regisseur gehen sehr frei mit der Romanvorlage um, aber eben deshalb gelingt ihnen eine völlig schlüssige Übertragung der Handlung ins heutige Berlin und damit auch der pädagogischen Intention des Autors Erich Kästner: Die räumliche Trennung und die Sprachlosigkeit zwischen Arm und Reich in der Stadt wird durch zwei Kinder überwunden, die sich einfach mögen. Antons Mutter (Regine Seidler) ist aus politischen Gründen aus Weissrussland geflohen und in Berlin untergetaucht. Pünktchens Vater (René Schubert) scheffelt Geld mit Immobilienspekulation, während die Mutter sich daran gefällt, Flitterjäckchen zu kaufen und Charity-Events zugunsten notleidender Afrikaner zu organisieren - doch für die Bedürfnisse ihres eigenen Kindes ist sie blind. Sehr klug ist auch der Kunstgriff, Pünktchens Gouvernante im Roman durch ein schräges amerikanisches Au-Pair-Mädchen (Alessa Kordeck) zu ersetzen. Die Seele des Hauses und Ersatzmutter für Pünktchen aber ist Berta, die Haushaltshilfe (wunderbar humorvoll gespielt von Michaela Hanser).
Eine kurzweilige und herzerwärmende Aufführung in bester Grips-Tradition, durchdachter und in sich schlüssiger als die meisten Romanadaptionen auf deutschen Bühnen, die oft nur ein Abklatsch der Vorlage sind. Hier ist es wirklich gelungen, ein prominentes literarisches Werk achtzig Jahre später für das Theater und für die Kinder von Berlin noch einmal neu zu erfinden - das hat nicht nur den Kritiker begeistert, sondern auch die 13-jährige Kästner-Kennerin an seiner Seite.
Weitere Informationen und Spielplan des Grips-Theaters
2011 hatte Volker Ludwigs Stück Pünktchen trifft Anton Premiere und es hat in der Zwischenzeit noch an Aktualität gewonnen: Denn in der Grips-Fassung sind Anton und seine Mutter nicht nur arme Leute wie in Kästners Roman von 1931, sondern Flüchtlinge ohne Aufenthaltserlaubnis, also genau die Leute, die Pegida-Anhänger und Rechtsextreme nun wieder zum Sündenbock machen für alles, was ihnen in diesem Land nicht passt. Anton (Kilian Ponert) ist ein hoch begabter Schüler, dem buchstäblich das Lachen vergangen ist unter dem Druck der Angst, mit seiner Mutter abgeschoben zu werden. Freudlos wühlt er in Mülltonnen, um etwas zum Essen und Pfandflaschen zu finden. Dass er durch Pünktchen (Maria Perlick), das verwöhnte Mädchen aus einer Grunewaldvilla, wieder das Lachen lernt, gehört zu den anrührenden Momenten der Inszenierung von Frank Panhans.
Autor und Regisseur gehen sehr frei mit der Romanvorlage um, aber eben deshalb gelingt ihnen eine völlig schlüssige Übertragung der Handlung ins heutige Berlin und damit auch der pädagogischen Intention des Autors Erich Kästner: Die räumliche Trennung und die Sprachlosigkeit zwischen Arm und Reich in der Stadt wird durch zwei Kinder überwunden, die sich einfach mögen. Antons Mutter (Regine Seidler) ist aus politischen Gründen aus Weissrussland geflohen und in Berlin untergetaucht. Pünktchens Vater (René Schubert) scheffelt Geld mit Immobilienspekulation, während die Mutter sich daran gefällt, Flitterjäckchen zu kaufen und Charity-Events zugunsten notleidender Afrikaner zu organisieren - doch für die Bedürfnisse ihres eigenen Kindes ist sie blind. Sehr klug ist auch der Kunstgriff, Pünktchens Gouvernante im Roman durch ein schräges amerikanisches Au-Pair-Mädchen (Alessa Kordeck) zu ersetzen. Die Seele des Hauses und Ersatzmutter für Pünktchen aber ist Berta, die Haushaltshilfe (wunderbar humorvoll gespielt von Michaela Hanser).
Eine kurzweilige und herzerwärmende Aufführung in bester Grips-Tradition, durchdachter und in sich schlüssiger als die meisten Romanadaptionen auf deutschen Bühnen, die oft nur ein Abklatsch der Vorlage sind. Hier ist es wirklich gelungen, ein prominentes literarisches Werk achtzig Jahre später für das Theater und für die Kinder von Berlin noch einmal neu zu erfinden - das hat nicht nur den Kritiker begeistert, sondern auch die 13-jährige Kästner-Kennerin an seiner Seite.
Weitere Informationen und Spielplan des Grips-Theaters
Donnerstag, 1. Januar 2015
Elektropolis Berlin
Elektrizität gehört so selbstverständlich zum Alltag der Großstadt wie die Luft zum Atmen: Ohne sie gäbe es keine Straßenbeleuchtung, keinen U- und S-Bahn-Verkehr, kein Internet. Dabei hat die Elektrotechnik erst seit etwa 130 Jahren alle Lebensbereiche infiltriert. Die "Musterstadt der metropolitanen Elektrifizierung" war bis zum Zweiten Weltkrieg Berlin. Die Entwicklung der Elektrotechnik und das Wachstum der Millionenstadt gingen Hand in Hand, beides ist bis heute im Stadtbild sichtbar geblieben. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Berliner Elektroindustrie weltweit führend in dieser Branche und auch später noch ein "Global Player" mit 235.000 Beschäftigten an der Spree im Jahr 1939. In den Zwanziger Jahren stieg der Stromverbrauch durch neue Verkehrsmittel wie die S-Bahn und die Elektrifizierung der Haushalte an, dafür wurden markante Großkraftwerke und Umspannewerke gebaut. Ein vom Landesdenkmalamt herausgegebener Führer stellt nun 450 Bauwerke der "Elektropolis Berlin" vor: Fabriken, Firmenrepräsentanzen, Fernsprechämter, BVG-Betriebshöfe für Straßen- und U-Bahnen, ausgewählte S-Bahnhöfe, aber auch Siedlungen und Sozialeinrichtungen für die Beschäftigten der einschlägigen Unternehmen. Viele Gebäude werden heute für andere Zwecke genutzt, weil die Betriebe nicht mehr existieren oder technische Anlagen modernisiert wurden - das Buch macht sie als Bausteine der "Elektropolis" wiedererkennbar. Auch Betriebe und Siedlungen im Brandenburger Umland sind berücksichtigt. Keine Frage, dieses Inventar ist ein gewichtiges Standardwerk zum Thema, darüber hinaus aber auch ein (von Ben Buschfeld) vorbildlich gestaltetes und anregendes Buch mit großartigen historischen Fotos, Karten und sogar ganz konkreten Routenvorschlägen für Flaneure - und das zu einem so unschlagbar günstigen Preis, dass es sich jeder leisten kann, der sich für Berliner Architektur- und Technikdenkmale interessiert.
Landesdenkmalamt Berlin (Herausgeber)
Elektropolis Berlin
Architektur- und Denkmalführer
von Thorsten Dame
mit Beiträgen von Matthias Baxmann, Katharina Beckmann, Nadine Bittner,
David Derksen, Konstanze Dyck, Jessica Hänsel, Robert Haesecke-Diesing, Claudia Hain, Gisbert Knipscheer, Tanja Kastowski, Ann-Kristin Kirsch, Tina Kühn, Florian Leitner, Ines Oberhollenzer, Mirco Schneider
Gestaltung: buschfeld.com – graphic and interface design
19,5 x 24,0 cm, 544 Seiten, Hardcover
450 Objekte im Porträt, 6 Routenvorschläge, Anhang und Register
680 Duotone-Abbildungen, 47 Karten und Lagepläne
Preis 29,95 Euro
Michael Imhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0132-7
Weitere Informationen: http://www.imhof-verlag.de/architektur-und-denkmalfuehrer-elektropolis-berlin.html
Elektropolis Berlin
Architektur- und Denkmalführer
von Thorsten Dame
mit Beiträgen von Matthias Baxmann, Katharina Beckmann, Nadine Bittner,
David Derksen, Konstanze Dyck, Jessica Hänsel, Robert Haesecke-Diesing, Claudia Hain, Gisbert Knipscheer, Tanja Kastowski, Ann-Kristin Kirsch, Tina Kühn, Florian Leitner, Ines Oberhollenzer, Mirco Schneider
Gestaltung: buschfeld.com – graphic and interface design
19,5 x 24,0 cm, 544 Seiten, Hardcover
450 Objekte im Porträt, 6 Routenvorschläge, Anhang und Register
680 Duotone-Abbildungen, 47 Karten und Lagepläne
Preis 29,95 Euro
Michael Imhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0132-7
Weitere Informationen: http://www.imhof-verlag.de/architektur-und-denkmalfuehrer-elektropolis-berlin.html
Freitag, 19. Dezember 2014
WChUTEMAS
Was soll denn das sein? WChUTEMAS, oftmals als ‚russisches Bauhaus’ bezeichnet, war eine legendäre Kunstschule der Moderne in den 1920er Jahren. Im Martin-Gropius-Bau zeigt eine Ausstellung etwa 250 Skizzen, Zeichnungen, Malerei und Modellen von Lehrern und Studierenden. 1920 wurden diese ‚Höheren Künstlerisch-technischen Werkstätten‘ durch ein Dekret der Sowjetregierung gegründet. In acht Fakultäten (Produktionswerkstätten: Holz, Metall, Textil, Druckgrafik, Keramik; Kunstwerkstätten: Malerei, Skulptur, Architektur) wurden mehrere tausend Studenten unterrichtet. Einem Vorkurs mit völlig neuartigem künstlerisch-wissenschaftlichem Curriculum folgte ein mehrjähriges Studium. An dieser Schule unterrichteten berühmte KünstlerInnen und ArchitektInnen, deren Namen mit dem Durchbruch der russischen Avantgarde verbunden sind: wie El Lissitzky, Naum Gabo, Moissej Ginsburg, Gustav Klucis, Wassily Kandinsky, Nikolai Ladowski, Alexander Melnikow, Ljubow Popowa, Alexander Rodtschenko, Alexej Schtschussew, Warwara Stepanowa, Wladimir Tatlin, Alexander Wesnin. Man wollte mit Hilfe von Kunst und Architektur den ‚Neuen Menschen‘ formen und eine revolutionäre Erneuerung des Verhältnisses von Kunst und Gesellschaft verwirklichen. Doch der erbitterte Streit um den ‚richtigen’ Weg spiegelt sich auch in der Geschichte dieser Schule, seiner Lehrer und Studenten wieder. Die Architektur als ’synthetische Kunst‘ hatte dabei eine Schlüsselrolle inne. Diplomarbeiten und experimentelle Studienprojekte zeigen das enorme utopische und baukünstlerische Potenzial und veranschaulichen zugleich, oft zugespitzt, das Credo widerstreitender Architekturströmungen an den WChUTEMAS.
Die Ausstrahlung der WChUTEMAS reichte weit über Sowjetrussland hinaus. Mit dem 1919 gegründeten Bauhaus in Weimar und später in Dessau gab es Beziehungen. Um den wissenschaftlichen Anspruch zu betonen, benannte man 1927 die Schule um in ‚Höheres Künstlerisch-Technisches Institut‘, WChUTEIN. Man wollte weg von der reinen Kunst hin zur industriellen Produktion. Radikal funktionalistische Zielsetzungen in Wohn- und Städtebau traten in den Vordergrund. 1930 wurde die Schule geschlossen. Die Architekturfakultät wurde mit dem Höheren Bauingenieur- und Architekturinstitut, dem späteren Moskauer Architekturinstitut verschmolzen. Die russische Avantgarde verlor ihren Einfluss und wurde zu Gunsten eines ‚Sozialistischen Realismus‘ radikal zurückgedrängt, konstruktivistische Konzepte waren im Rahmen der planwirtschaftlichen Anforderungen in Russland nicht mehr gefragt.
5. Dezember 2014 bis 6. April 2015
im Martin-Gropius-Bau
Öffnungszeiten Mi bis Mo 10:00–19:00
Di geschlossen
5. Dezember 2014 bis 6. April 2015
im Martin-Gropius-Bau
Öffnungszeiten Mi bis Mo 10:00–19:00
Di geschlossen
Dienstag, 25. November 2014
RealSurreal - Fotografie der Zwanziger Jahre im Kunstmuseum Wolfsburg
Von Elke Linda Buchholz. Real – surreal – völlig egal?! Das Wolfsburger Kunstmuseum zeigt Fotografie des Neuen Sehens der 20er und 30er Jahre, die damals Avantgarde war und heute Klassikerstatus hat. Fast alles, was Rang und Namen hat aus der damaligen Fotoszene, ist in der Ausstellung vertreten: Albert Renger-Patzsch, Yva, Herbert List, Aenne Biermann, Herbert Bayer, Grete Stern, Alfred Ehrhardt, Dora Maar, Man Ray, André Kertesz, Karel Teige und viele mehr. Zudem hat der Münchener Sammler Dietmar Siegert allerlei unbekanntere Fotografen aus seinen Mappen und Schränken mitgebracht, und sie zu entdecken macht besonderes Vergnügen. Der ehemalige Filmproduzent, der einst rum die Welt Dokumentarfilme realisierte, begann sich schon früh für die Fotokunst zu begeistern. So konnte er von erschwinglichen Preisen auf dem Markt profitieren, bevor die Schätzwerte in die Höhe schossen. Vor allem die ganz frühen Aufnahmen der Fotopioniere aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten es ihm angetan, wie Siegert zur Ausstellungseröffnung erzählt. Seine raren Schätze zur deutschen Lichtbildkunst bis 1890 hat er vor kurzem in die Obhut des Münchener Stadtmuseum gegeben. Für die Italienmotive interessierte sich dann auf einmal sogar die Neue Pinakothek. In deren Ausstellungssälen dürfen die historischen Aufnahmen italienischer Hotspots künftig kongenial die gemalten Ansichten aus dem Land, wo die Zitronen blühen, ergänzen.
Dass Siegert eher nebenbei vor einigen Jahrzehnten begann, auch Fotokunst der Zwanziger Jahre zu sammeln, wird erst jetzt öffentlich sichtbar. Nur Einzelstücke hat der Sammler bislang, etwa in der Berliner Sammlung Scharf-Gerstenberg, als Leihgaben gezeigt. Wie umfangreich und facettenreich er den Sammlungsbereich des "Neuen Sehens" arrondierte, zeigt jetzt die Wolfsburger Schau (bis zum 6. April 2015). Und damit stellt sich zugleich die Frage: In welchem Museum wird dieser hochkarätige Bestand wohl einmal seine Bleibe finden? Denn museale Qualitäten hat das Konvolut, von dem jetzt eine Auswahl ans Licht kommt. Weiterlesen
Sonntag, 23. November 2014
Kästners Berlin - Interview auf Inforadio, Textauszug und Bildstrecke auf www.tagesspiegel.de
Der gedruckte TAGESSPIEGEL AM SONNTAG berichtet heute auf einer ganze Seite von den Entdeckungen Michael Bienerts bei der Recherche zu seinem Buch Kästners Berlin. Die Onlineausgabe des TAGESSPIEGEL publiziert ein Kapitel aus dem Buch und eine Bildstrecke zu Kästners Orten in Berlin. Für das rbb-Inforadio hat Marianne Mielke ein langes Interview mit dem Autor geführt, das hier nachgehört werden kann.
Michael Bienert
Kästners Berlin. Literarische Schauplätze
160 Seiten, ca. 200 Abb.
Verlag für Berlin und Brandenburg
Berlin 2014, 24,99€
Michael Bienert
Kästners Berlin. Literarische Schauplätze
160 Seiten, ca. 200 Abb.
Verlag für Berlin und Brandenburg
Berlin 2014, 24,99€
Freitag, 21. November 2014
Kühle Sache. Die Neupräsentation der Sammlung im Kunstgewerbemuseum Berlin
| Foto: SMB / Stefan Klonk |
Mittwoch, 12. November 2014
Kästners Berlin - das erste Exemplar ist da
Das erste Exemplar von Kästners Berlin ist da! Große Erleichterung: Der Druck ist perfekt, die Fotos vom Berlin der Zwanziger und Dreißiger Jahre sehen super aus. Morgen um 20 Uhr ist die erste Buchvorstellung in der Büchergilde Buchhandlung am Wittenbergplatz.
Dienstag, 7. Oktober 2014
László Moholy-Nagy - Ausstellung im Bauhaus-Archiv
Als Pionier einer multimedialen und konzeptionellen Kunst war László Moholy-Nagy einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Neben seinen Arbeiten aus den 1920er bis 1940er Jahren präsentiert nun das Bauhaus-Archiv Werke von Gegenwartskünstlern wie Olafur Eliasson oder Eduardo Kac präsentiert, die Moholy-Nagys Ideen aufgreifen. Moholy-Nagy setzte sich praktisch und theoretisch mit den Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medien und Sinnen auseinander und experimentierte intensiv mit Film und Fotografie.
Rund 300 Exponate ─ von Gemälden und Skulpturen über Fotografien, Fotogramme und Grafiken bis hin zu Filmen und Bühnenentwürfen, Licht- und Geräuschinstallationen, Tasttafeln und Handskulpturen sowie Publikationen ─ geben einen multisensorischen Zugang zu Moholy-Nagys Werk. Er lehrte von 1923 bis 1928 am Bauhaus und ab 1937 bis zu seinem Tod 1946 in Chicago, zunächst als Direktor am New Bauhaus und ab 1939 an der School of Design, dem späteren Institute of Design. Die Ausstellung vermittelt Schüsselthemen in Moholy-Nagys Kunst, die eng mit der Lebensreformbewegung und biozentrischen Ansätzen der 1920er Jahre verbunden sind. Moholy-Nagy ging davon aus, dass in einer zunehmend technisierten modernen Welt nur die Integration aller menschlichen Sinne und des Intellekts die organische Entwicklung des Individuums ermögliche. Sowohl in den alten und neuen Medien, der Hoch- und Populärkultur, den Künsten und den Wissenschaften sah er hierfür Potentiale und erweiterte den Blick über die fünf Sinne des Sehens, Hörens, Fühlens, Schmeckens und Riechens hinaus auf den Bewegungs- und Tiefensinn. Neue Technologien sollten der Erweiterung der menschlichen Sinnesorgane dienen, Hierarchien in der Wahrnehmung und den Medien lehnte er ab. Kunst betrachtete Moholy-Nagy als Information und alle Medien als mögliche Mittel zur Umsetzung einer künstlerischen Idee. Zentrale Aspekte seines Werks wie Interdisziplinarität, Multimedialität und multisensorische Wahrnehmung, das Neue Sehen, Immersion und Partizipation, Transparenz, Reflektion und Bewegungen werden unter diesem Fokus näher beleuchtet.
Die Präsentation seiner Entwürfe des „Kinetischen konstruktiven Systems“ (1922-28) verdeutlicht Moholy-Nagys Rolle als Vorreiter einer partizipatorischen und immersiven Kunst. Seine Emaille-Serie (1922-23), auch als Telefonbilder bekannt, macht seine Bedeutung als Pionier einer konzeptionellen Medienkunst deutlich, da er mit diesen Arbeiten in gewisser Weise digitale Kunstformen vorwegnahm. In „Sensing the Future: László Moholy-Nagy, die Medien und die Künste“ werden darüber hinaus mehrere Filme Moholy-Nagys gezeigt sowie Gemälde, Fotogramme und Fotografien, in denen Licht zum Rohmaterial seiner Kunst wird. Arbeiten von Gegenwartskünstlern wie die „Aromapoetry“ (2011) von Eduardo Kac oder Olafur Eliassons „Suntrackers“ (2014) setzen Moholy-Nagys Ansätze fort; andere Künstler realisierten für die Ausstellung als Hommage an den visionären Universalkünstler einige seiner unverwirklichten Konzepte, wie zum Beispiel Lancelot Coar und Patrick Harrop mit ihrem Versuch, Moholy-Nagys Idee eines mehrdimensionalen Polykinos zu verwirklichen. (Quelle: Pressemitteilung Bauhaus-Archiv)
Publikation: Oliver Botar, Sensing the Future: Moholy-Nagy, die Medien und die Künste, Lars Müller Verlag (Zürich), ca. 200 Seiten mit ca. 400 Abbildungen, ISBN 978-3-03778-434-1 (deutsche Ausgabe), ISBN 978-3-03778-433-4 (englische Ausgabe), Preis: 35 Euro.
Infos und Öffnungszeiten
Publikation: Oliver Botar, Sensing the Future: Moholy-Nagy, die Medien und die Künste, Lars Müller Verlag (Zürich), ca. 200 Seiten mit ca. 400 Abbildungen, ISBN 978-3-03778-434-1 (deutsche Ausgabe), ISBN 978-3-03778-433-4 (englische Ausgabe), Preis: 35 Euro.
Infos und Öffnungszeiten
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