Freitag, 7. September 2012

Glanzzeit der Friedrichstraße

Es gibt kaum noch ein Nachtleben auf der Friedrichstraße. In der Kaiserzeit und den Zwanziger Jahren war das anders, da strömten die Touristen und Einheimische aus der ganzen Stadt in die Amüsierlokale und Theater rund um den Bahnhof Friedrichstraße - nur der Admiralspalast erinnert noch daran. Weibliche und männliche Prostituierte bevölkerten die Straße und später in der Nacht verwandelte sich die Gegend mit "hin und her schaukelnden Droschken und Automobilen in ein einziges saftiges Beilager", so zitiert Harald Neckelmann den Dramatiker Carl Sternheim. Neckelmanns neues Buch ist ein Spaziergang in (ausführlich kommentierten) Fotografien durch die Friedrichstraße, wie sie vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aussah, einmal die 3,3 Kilometer rauf und wieder runter zwischen Halleschem und Oranienburger Tor. Hervorgehoben sind verschwundene Topadressen wie die Kaiserpassage, das Varieté Wintergarten, die Friedrichstraßenpassage (ein Rest davon erlangte als Tacheles neuerlich Berühmtheit). Weniger bekannt ist die Bedeutung der südlichen Friedrichstraße als Filmzentrum der Stummfilmzeit - 575 Filmproduktionsfirmen hat Neckelmann dort gezählt. Die Vorgeschichte der Straße im 18. und 19. Jahrhundert sowie die Nachkriegszeit bleiben ausgespart, dafür prunkt das Buch mit zahlreichen bisher unbekannten Fotos aus der Glanzzeit der Friedrichstraße. (Harald Neckelmann, Friedrichstraße Berlin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin Story Verlag, 144 Seiten, 260 Abb., 19,80 EUR)

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