Dienstag, 19. Juni 2012

Sparsam und robust: der AGA-Wagen

Beim ersten Autorennen auf der AVUS am  25. September 1921 waren sie mit am Start: Die Wagen der Berliner "Aktien-Gesellschaft für Automobilbau", kurz AGA, die eigentlich keine luxuriösen Rennschlitten fabrizierte, aber das Rennspektakel im Grunewald für die Eigenwerbung nutzte. Die AGA-Wagen waren Gebrauchsautos, ein Art Volkswagen der Zwanziger Jahre: preiswert, zuverlässig, robust, indes nur kurze Zeit erfolgreich auf dem gerade erst entstehenden Massenmarkt für Automobile. Ein Auto für Taxifahrer, Kleinunternehmer, Ärzte. Schon 1929 wurde die Produktion eingestellt, die Marke vergessen. Kai-Uwe Merz hat ihre Geschichte aufgeschrieben, in einer Art und Weise, die nicht nur für Autonarren und Oldtimerfans lesenswert ist: Technik-, Wirtschafts-, Alltags- und Kulturgeschichte verschlingen sich flott und faktenreich erzählt mit der Familiengeschichte des Autors, dessen Vater einen Nachfolgebetrieb der AGA leitete. Mit spannden Seitenblicken auf die ersten Rennfahrerinnen, Produktpiraterie am Ende des Ersten Weltkriegs, die Beschaffungspolitik der Reichswehr und Rallyes in der Sowjetunion: ein Zeitbild der Zwanziger Jahre aus der Perspektive eines Autos für den modernen Alltag.
Kai Uwe-Merz: Der AGA Wagen. Eine Automobil-Geschichte aus Berlin. 240 Seiten, viele Abbildungen, Berlin Story Verlag, 19,80

Kommentare:

  1. Sachen (bzw. Autos ... ) gibt es ... Und an der Spitze der Kühlerhaube könnte sich Mercedes etwas abgeschaut haben ...

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  2. Schön, was Michael Bienert da über mein Buch geschrieben hat. Ich freue mich immer, wenn ich merke, einer hat gelesen, bevor er sich äußert. Danke herzlich! Und, lieber Rudolf Schmitt, es gibt noch viel mehr vergessener Marken; nur haben wir leider als Autonation keine ernsthafte, wissenschaftliche Automobilforschung. Ungeahnt, welche Wissensschätze und wie viele Geschichte allein in der Berliner Autogeschichte zu heben wären. Ach, und die Spitzkühler hatten andere zu Zeit der ersten AGA-Wagen auch, auch schon Benz und Mercedes. Herzlichst, Kai-Uwe Merz

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