Mittwoch, 8. Januar 2020

Vom Bauhaus nach Haselhorst - Lesung und Besuch der Museumswohnung Haselhorst am 22. Januar 2020

Der ungarisch-jüdische Architekt Fred Forbat plante ab 1930 den Bau von 1.200 Wohnungen in der Reichsforschungssiedlung Haselhorst. Jetzt hat das Bauhaus-Archiv Forbats „Erinnerungen eines Architekten aus vier Ländern“ publiziert. Die Herausgeberin Sibylle Hoiman stellt das Buch im Dialog mit dem Kulturhistoriker Michael Bienert in der Stadtteilbibliothek Haselhorst vor (Gartenfelder Straße 104, 13559 Berlin). Der Eintritt ist frei, Anmeldung bitte unter: g.lex@ba-spandau.berlin.de, Fon: 030 90279-8693

Zuvor besteht Gelegenheit, die im Stil der Bauzeit eingerichtete Museumswohnung Haselhorst im Forbat-Block der Reichsforschungssiedlung zu besichtigen (16.30 Uhr bis 17.45 Uhr, Burscheider Weg 21, 13559 Berlin, Eintritt frei).

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Der Bildhauer August Gaul im Kollwitz-Museum

Von Elke Linda Buchholz - Kaum streichholzschachtelgroß ist das Schwein. Es legt die Ohren an, gespannt vom Rüssel bis zum Ringelschwanz. Ein Schwein, sonst nichts: Saumäßig gut getroffen und 1914 in Bronze verewigt von August Gaul. Aber könnte es nicht auch ein Glückssymbol sein? Des Bildhauers Idee, so ein Hausschwein in kapitaler Größe als Brunnenfigur auf den Wittenbergplatz zu hieven, irritierte die Berliner. Weiterlesen auf www.tagesspiegel.de

Montag, 30. September 2019

Triennale der Moderne 2019 in Berlin startet am 10. Oktober 2019

Über hundert Veranstaltungen von rund 20 Partnern: Das am 10. Oktober startende Berliner Programm lädt ein, den Reichtum einer Epoche zu entdecken. Die 1920er-Jahre waren eine Zeit radikaler, uns bis heute faszinierender Umbrüche in Kunst, Design und Gesellschaft. Sie sind Ausgangspunkt der "Triennale der Moderne", die alle drei Jahre in Weimar, Dessau und Berlin stattfindet und die dortigen UNESCO-Welterbestätten stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Während in den Bauhaus-Städten Weimar und Dessau die Architektur und Lehre der berühmten Design- und Kunstschule im Mittelpunkt steht, ist das moderne Erbe in der Metropole Berlin ungleich vielfältiger.

Beinahe Bauhaus-Meister. Fred Forbats Erinnerungen

Fred Forbat war weder Schüler noch Lehrer am Bauhaus, alleine schon deswegen taucht sein Name in den vielen Publikationen über die berühmte Kunstschule nur am Rande auf. Die Veröffentlichung seiner Lebenserinnerungen rückt nun einen der besten Vertreter des Neuen Bauens der 1920er-Jahre ins rechte Licht.

Als der Dreiundzwanzigjährige im Jahr 1920 im Weimarer Bauhausgebäude als Architekt im Privatatelier des Schulgründers Walter Gropius anfing, hatte er schon ein Studium in München abgeschlossen. Sofort nach dem Architekturexamen sollte er sich damals in einem Gefängnis melden, um als unerwünschter Ausländer aus Bayern abgeschoben werden. Gropius machte den patenten jungen Mann zum Bauleiter einer Villa, die der Bauunternehmer Adolf Sommerfeld für sich in Berlin errichten ließ und die von den Bauhauswerkstätten ausgestattet wurde. Später betraute Gropius Forbat mit der Gesamtplanung der nie realisierten Bauhaussiedlung in Weimar. Weiterlesen

Mittwoch, 17. April 2019

Lotte Laserstein in der Berlinischen Galerie

Wanda von Debschitz-Kunowski,
Lotte Laserstein
Repro: Anja Elisabeth Witte

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Von Elke Linda Buchholz Zuerst im Frankfurter Städel, jetzt in der Berlinischen Galerie: Zwei der renommiertesten Museen Deutschlands rollen für Lotte Laserstein den roten Teppich des ganz großen Ausstellungsformats aus und widmen ihr eine Solo-Retrospektive. Sie hat es verdient. Die lange Zeit völlig vergessene Laserstein gehört mit ihren eigenwilligen Porträts, modernen Alltagsszenen und psychologisch tiefgründigen Gruppentableaux unbedingt mit in den kunsthistorischen Kanon und ins Gedächtnis der breiten Öffentlichkeit. Ihre ausgeklügelten Kompositionen und die versierte Pinselführung verraten ein herausragendes Talent. Vor allem aber wirft Laserstein einen ganz eigenen Blick auf ihre Zeitgenossinnen und Zeitgenossen der 20er Jahre, hinterfragt Geschlechterrollen und stellt auf den Prüfstand, was das sein könnte: die Neue Frau, von der in den Medien damals so viel die Rede war. Es gehört mehr dazu als ein Kurzhaarschnitt, die traditionellen Genderklischees auszuhebeln, das machen Lasersteins subtile Schilderungen klar.
Weiterlesen auf www.text-der-stadt.de

Dienstag, 27. November 2018

Rosa Luxemburgs Herbarium

Sie wollte Naturwissenschaftlerin werden, am liebsten Botanikerin - und wurde als junge Studentin  durch eine Liebesbeziehung zu dem marxistischen Vordenker Leo Jogiches für immer "an die verfluchte Politik geschmiedet". Im Frühjahr 1913 erfasste die alte Sehnsucht die Frontfrau der deutschen Sozialdemokratie wie ein Rausch. Besessen sammelte sie monatelang Blumen und Blätter, die sie presste und in Schulheften sorgfältig beschrieb.
Weggesperrt während des Ersten Weltkriegs kratzte Rosa Luxemburg Unkraut auf gepflasterten Gefängnishöfen für ihre Sammlung und ließ sich von Freundinnen gepresste Pflanzen schicken. Wunderbarerweise tauchten 17 Hefte ihres Herbariums 2009 in Warschau wieder auf, als der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos nach DNA-Spuren von Rosa Luxemburg fahndete. Es sind anrührende Lebenszeugnisse: "18. 9. 15 in die Zelle hereingeweht vom Wind aus dem Lazaretthof" steht gut leserlich neben fünf sternförmig arrangierten Ulmenblättern. Im Lazaretthof des "Weitergefängnisses" in der Berliner Barnimstraße habe sie "jeden Tag irgendeine kleine botanische oder zoologische Entdeckung" machen können, schreibt Rosa Luxemburg fast wehmütig aus dem Breslauer Knast am 2. August 1917 an Sophie Liebknecht. Die Frau des Politikers Karl Liebknecht schickte Pflanzen aus dem Botanischen Garten in Dahlem, einem der Lieblingsorte Rosa Luxemburgs in Berlin.
Im Herbarium erhalten blieben auch Blätter einer Bohnenpflanze, die sie 1918 im Breslauer Strafgefängnis in einem Topf zog. "Es ist ein großer Strauch mit ganz gewaltigen Bohnen geworden", schreibt Rosa Luxemburg stolz an Clara Zetkin; in den Herbariums-Heften heißt es: "Hat 8 grosse Schoten gebracht."
Im Faksimile des Herbariums zu blättern, ist in diesen novembergrauen Tagen ein wahrer Augen- und Seelentrost. Die zahlreichen Briefstellen aus den Jahren 1915 bis 1918, die sich aufs Botanisieren beziehen, sind im Anhang abgedruckt. Ein perfektes Verschenkbuch zu Weihnachten, so kurz vor dem 100. Todestag Rosa Luxemburgs.

Rosa Luxemburg
Herbarium
Herausgegeben von Evelin Wittich.
Mit einer Einleitung und einer Auswahl an Briefen von Holger Polin.
Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2016
416 Seiten, gebunden, 39,90 Euro

ISBN 978-3-320-02325-6

Dienstag, 30. Oktober 2018

Wo bitte geht es hier zur Revolution? Zwei Neuerscheinungen zu Berliner Schauplätzen des Winters 1918/19

Revolutionäre vor dem Brandenburger Tor, 1918
Von Michael Bienert. In wenigen Tagen soll sich Berlin in eine aufgeschlagenes Geschichtsbuch verwandeln: Mehrere Ausstellungen zur Novemberrevolution werden eröffnet und 100 Orte in der Stadt sollen als Schauplätze revolutionärer Ereignisse im Winter von 100 Jahren markiert werden. Dazu findet man bereits eine Onlinekarte auf der Website des stadtweiten Projekts 100 Jahre Revolution. Pünktlich zum Jubiläum sind an der Baustelle des Humboldt-Forums die Gerüste vor der wiederaufgebauten barocken Fassade des Berliner Schlosses gefallen: Einer der zentralen Schauplätze der Auseinandersetzungen ist wieder sichtbar geworden. Welche Rolle genau das Schloss in den Novembertagen spielte, beleuchtet der erste Band der Buchreihe Im Fokus: Er rekonstruiert die Ereignisse um die Ausrufung der ersten sozialistischen Republik durch Karl Liebknecht am 9. November 1918 am Schlossplatz, sowie die Mythenbildung, die dazu führte, dass das Portal IV des Berliner Schlosses künftig doppelt vorhanden sein wird. 
Berühmt wurde es durch die Rede, die Kaiser Wilhelm II. am 31. Juli 1914 dort zum Kriegsausbruch an "sein" Volk richtete. Karl Liebknechts Ausrufung der Republik am Nachmittag des 9. November fand vor dem Schloss statt, wahrscheinlich von einem Autodach aus, über die exakte Stelle gibt es widersprüchliche Angaben. Am Abend des 9. November 1918 wählte der "Staatsfeind Nr. 1" ein erleuchtetes Fenster am Schlossportal IV, um erneut zur Menge zu sprechen: Nie wieder werde ein Hohenzoller diesen Platz betreten. Abermals proklamierte Liebknecht die freie sozialistische Republik.
Schlossportal IV
am Staatsratsgebäude, 2017
Als die Schlossruine nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen Beschluss der SED gesprengt und abgeräumt wurde, wurde das Portal IV eingelagert. Als Teil des 1962 bis 1964 errichteten DDR-Staatsratsgebäude am Schlossplatz steht es heute unter Denkmalschutz. An der Lustgartenfront des Humboldt-Forums entstand eine 1:1-Kopie des Portals.
Wer lieber mit einem gedruckten Stadtführer durch das revolutionäre Berlin flaniert als mit dem Smartphone, kann dies ebenfalls mit einer aktuellen Buchpublikation tun: Entlang von rund 40 Orten zeichnet Ingo Juchlers Band 1918/1919 in Berlin die Ereignisse des Revolutionswinters nach. Ausgangspunkt ist auch hier das Berliner Schloss, Endpunkt die ehemalige Aula der Universität am Bebelplatz 2, wo die Nationalversammlung am 12. Mai 1919 zu einer Sondersitzung über den Versailler Friedensvertrag zusammentrat. Auf gut hundert Seiten bietet der handliche Band einen kompakten und zuverlässigen Überblick über Berliner Revolutionsorte und -ereignisse.

Dominik Jahnke, Judith Prokasky, Martin Sabrow
Mythos der Revolution. Karl Liebknecht, 
das Berliner Schloss und der 9. November 1918
Carl Hanser Verlag, München 2018,
144 Seiten, 15 €








Ingo Juchler
1918/19 in Berlin 
Schauplätze der Revolution
Be.bra Verlag, München 2018
128 Seiten, 16,– €








Veranstaltungshinweis:

Mythos der Revolution Buchpräsentation und szenische Leseperformance
am 4. November 2018 am Sonntag, 4. November 2018, 11 bis 13 Uhr, Einlass ab 10:15
Ort: ESMT Berlin, Tower View, Schlossplatz 1, 10178 Berlin
Anmeldung bis 31.10. 2018 unter events.humboldtforum.com
Eintritt frei
Buchpräsentation mit Dominik Juhnke, Judith Prokasky, Martin Sabrow und Irmgard Zündorf (Moderation), Szenische Leseperformance mit Clemens Bechtel (Dramaturgie Umsetzung), Andrea Rieder (Konzept und Umsetzung), Thomas Bading, Franziska Hering-Jansen, Michel Diercks (SchauspielerInnen).

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Brechts Berlin - ab sofort lieferbar

In der Reihe "Literarische Schauplätze" ist soeben Michael Bienerts Buch Brechts Berlin erschienen (Verlag für Berlin-Brandenburg, 200 Seiten, ca. 200 Abb., 25 Euro). Wie in "Kästners Berlin" und "Döblins Berlin" bildet das Berlin der 1920er-Jahre einen Schwerpunkt des opulent illustrierten Bandes. Alle Theater, an denen der Dichter und Dramatiker damals gearbeitet hat, werden vorgestellt, seine Wohnungen, seine Beziehung zum Ullstein-Konzern und seine besondere Leidenschaft für das Autofahren in der Großstadt. Veranstaltungstermine zum Buch siehe in der linken Randspalte.


George Grosz im Bröhan-Museum

200 Werke von George Grosz zeigt das Bröhan-Museum in einer Sonderausstellung, für ein Grosz-Museum in Berlin wird geworben. Elke Linda Buchholz hat im Tagesspiegel darüber berichtet: https://www.tagesspiegel.de/kultur/broehan-museum-zeigt-retrospektive-george-grosz-dadaist-mit-spitzem-stift/23211314.html

Montag, 3. September 2018

Hannah Höchs Adressbuch

Hannah Höchs Adressbuch
Foto: Berlinische Galerie
Von Elke Linda Buchholz. 
Hannah Höch nimmt 1917 ein kleines Büchlein zur Hand und trägt fein säuberlich die ersten Namen von Bekannten und Freunden ein. Gut sechzig Jahre später hat die Künstlerin ihr Adressbuch noch immer in Gebrauch. Unversehens ist es zu einer veritablen Collage angewachsen. Eingelegte Visitenkarten, überklebte Zusatzseiten, durchgestrichene Einträge und ergänzte Notizen haben die anfängliche Ordnung von A wie Amsterdam, Hans Arp und Augenarzt bis Z wie Zürich, Gertrud Zarniko und Galerie Zinke längst unterminiert. Das zerfledderte Original ruht heute in der Berlinischen Galerie: eine fragile Kostbarkeit mit maroder Heftung, abgegriffenen Ecken und knallroten Farbklecksen auf dem Umschlag.