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Das Denkmal auf dem Kollwitzplatz
Foto: Michael Bienert |
Von Elke Linda Buchholz - Wo in Berlin hatte Käthe Kollwitz eigentlich ihr Atelier?
Einfache Frage, vierfache Antwort: Als die 24jährige frisch verheiratet mit
ihrem Karl 1891 aus Königsberg nach Berlin zog, klappte sie ihren Zeichenblock
kurzerhand in der Familienwohnung irgendwo zwischen Sofa, Küchentisch und Bett
auf. Die damalige Adresse Weißenburger Str. 25 ist aus dem Berliner Stadtplan
verschwunden, das Haus im Krieg zerbombt. Heute markiert an der Kollwitzstraße
56a im Prenzlauer Berg eine gelbe Kunststoffgedenktafel den Standort des längst
neubebauten Eckgrundstücks.
Ein eigenständiges Atelier hatte die Künstlerin,
bald Mutter zweiter Kinder, lange Zeit nicht. Aber ihre wachsende Familie
breitete sich in dem mehrstöckigen Mietshaus am heutigen Kollwitzplatz mitsamt
der Armenarztpraxis nach und nach auf drei Etagen aus. Erst 1912 mietete sich Kollwitz
einen separaten Werkstattraum im großen Atelierhaus Siegmunds Hof 11 im
Hansaviertel am Tiergartenrand, wo viele Künstler arbeiteten. Denn dort konnte
die als Graphikerin bereits anerkannte Künstlerin an ihren Skulpturenprojekten
arbeiten, wozu sie mehr Platz brauchte. Den Ort aufzusuchen, beschert dem
Stadtspaziergänger allerdings eine weitere Frustration: Auch dieses Haus steht
nicht mehr. Stattdessen logieren jetzt hunderte Studenten auf dem in den 1950 Jahren neu bebauten Areal. Zur Universität der Künste ist es nur eine Viertelstunde
Fußweg. Dort in der Hardenbergstraße 33 leitete Käthe Kollwitz ab 1928 das
Meisteratelier für Graphik: Die als erste Frau zur Professorin der Akademie
ernannte Künstlerin unterrichtete in einem Seitenflügel des wuchtigen
Baukomplexes auch ihre Studenten.
Doch damit war nach ihrem erzwungenen
Austritt aus der Akademie 1933 unter den Nazis Schluss. In der Ateliergemeinschaft
Klosterstraße 45 in Mitte fand Kollwitz schließlich noch einmal Raum zum
Arbeiten, Unterschlupf für Graphikutensilien und Zeichenmappen, Austausch unter
Kollegen. 1945 wurde auch dieses Gebäude ausgebombt.
Als Teenagerin war sie einst auf der Durchreise zum ersten
Mal nach Berlin gekommen, über 50 Jahre hat Käthe Kollwitz hier gelebt und gearbeitet.
Aber ihre authentischen Spuren finden sich nicht mehr in den Straßen und
Häusern der Stadt, sondern eher in ihren Werken – im Käthe-Kollwitz-Museum in
der Fasanenstraße oder in den Archivkästen des Kupferstichkabinetts.
Trotzdem
ist es spannend, das topographische Netzwerk dieser eigensinnigen Frau
nachzuvollziehen, zumal es zugleich wichtige Orte des damaligen Kunstbetriebs
wie Akademie und Sezession tangiert. Einen Leitfaden samt Stadtplan dazu bietet
das schmale Bändchen "Käthe Kollwitz in Berlin", das Iris Berndt und
Isabell Flemming im Auftrag des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin dieses Jahr zum
70. Todestag der Künstlerin herausgebracht haben. Die kurzen Texte und historischen Fotos
gehen zwar nicht über das Bekannte hinaus, machen aber neugierig, das
interessante Feld "Kollwitz und Berlin" einmal gründlicher zu
beackern.
Iris Berndt, Isabell Flemming
Käthe Kollwitz in Berlin
Ein Stadtrundgang | A City Tour
56 Seiten, 39 Abb., 210 x 200 mm,
zweisprachig deutsch / englisch
Lukas Verlag, Berlin 2015, 9,80 Euro